Hand in Hand
- 20. Jan.
- 2 Min. Lesezeit
Wie Chassidismus und ISKCON einander inspirieren können
In einer Welt, die oft nach Trennung und Identitätspolitik strebt, gibt es erstaunliche Wege, wie verschiedene spirituelle Traditionen einander berühren können. Zwei scheinbar weit entfernte Pfade – der Chassidismus mit seiner jüdischen Mystik und die ISKCON-Bewegung mit ihrer bhaktischen Hingabe zu Krishna – teilen überraschend viele Grundlagen, die Menschen auf einer tieferen Ebene verbinden.
Auf den ersten Blick scheinen Chassiden und Hare-Krishna-Anhänger Welten voneinander entfernt. Doch beide Gruppen praktizieren Hingabe und Freude: Für Chassiden manifestiert sich die Spiritualität durch Tanz, Gesang und tiefe Freude an Gottes Gegenwart.
ISKCON-Anhänger drücken dasselbe durch Kirtan, Bhajans und Meditation aus. Beide legen großen Wert auf Gemeinschaft, sei es im Tempel, am Schabbat oder bei gemeinsamen Festmahlen, was die spirituelle Erfahrung vertieft und Zusammenhalt fördert. Auch die ethische Lebensweise ist beiden wichtig: Beide Gruppen leben bewusst, achten auf Ernährung und ethisches Handeln, als Ausdruck des Respekts vor dem Göttlichen.
Theologisch bestehen jedoch klare Unterschiede. Chassiden verehren YHWH und folgen der Torah, während ISKCON Krishna als höchstes Wesen verehrt und den Veden folgt.
Rituale, Gebote und Liturgie sind sehr spezifisch und unterscheiden sich stark. Diese Unterschiede müssen jedoch nicht als Hindernis gesehen werden, sondern können als Möglichkeit zur Synergie verstanden werden.
Die Kabbala lehrt, dass alle Seelen von derselben göttlichen Quelle stammen und dass Vielfalt Ausdruck der Schöpfung ist. Daraus lässt sich eine Methode ableiten, um beide Traditionen wertzuschätzen. Anstatt sich auf die äußeren Formen zu konzentrieren, kann man die Essenz der Praktiken wahrnehmen: die Freude am Gesang, die Hingabe im Gebet, die Meditation auf das Göttliche.
Eine tägliche duale Meditation kann helfen: Zunächst richtet man die Aufmerksamkeit auf die chassidische Praxis, meditiert über die Sefirot oder spricht ein Gebet, das die Verbindung zu Gott feiert. Danach wiederholt man ein Mantra wie „Hare Krishna“ und visualisiert die Hingabe zu Krishna.
Beobachtet man, wie beide Praktiken dieselbe innere Freude und Ausrichtung auf das Göttliche erzeugen, entsteht eine tiefere Verbindung. Abschließend kann man beide Richtungen symbolisch ehren, indem man kurz die Dankbarkeit für das Chassidische Gebet und die Krishna-Hingabe ausdrückt.
Chassidismus und ISKCON müssen nicht konkurrieren. Durch kulturellen, musikalischen und spirituellen Austausch können sie einander bereichern. Die Kabbala lehrt, dass Vielfalt kein Widerspruch ist, sondern Ausdruck der göttlichen Fülle. Wer beide Richtungen öffnet, entdeckt eine tiefere Freude, Hingabe und spirituelle Freiheit – Hand in Hand.
Eine Erweiterung um Shivaismus
Ähnlich wie Chassidismus und ISKCON legt auch der Shivaismus großen Wert auf Hingabe, Meditation und innere Erfahrung. Wer diese Tradition einbezieht, kann eine „triadische“ Praxis ausprobieren:
Zuerst eine chassidische Kontemplation, dann Bhakti zu Krishna durch Mantra und Gesang, anschließend eine Shivaismus-orientierte Meditation, bei der Shiva als inneres Prinzip der Transformation wahrgenommen wird.
Auf diese Weise entsteht eine spirituelle Brücke, die alle drei Traditionen ehrt, ohne dass man sich dogmatisch für eine entscheiden muss.






