Es ist alles Astro Theologie
- mrhergarten369
- 5. Aug. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 3. Dez. 2025
Robert Taylor, „The Devil’s Pulpit“ – Astrologie, Freimaurerei und die verborgenen Wurzeln des Glaubens
Im frühen 19. Jahrhundert sorgte Robert Taylor, anglikanischer Priester und später radikaler
Kritiker der Kirche, für Aufruhr. In seinen berüchtigten „Rotunda-Predigten“ – gesammelt in
„The Devil’s Pulpit“ – verband er biblische Geschichten mit den Sternen. Sein Ansatz: Astrotheologie – die Überzeugung, dass Religion im Kern eine poetische Umschreibung kosmischer Vorgänge ist.
Astrotheologie – Die Sterne als Bibel
Für Taylor war die Bibel weniger ein historischer Bericht als vielmehr ein astronomischer Kalender.
Er las die Heilige Schrift so, als sei sie eine Sammlung von Gleichnissen, in denen Sonne, Mond und Sternbilder zentrale Rollen spielen:
Jesus als SonneDie Geburt Jesu an Weihnachten sieht Taylor als Allegorie für die Wintersonnenwende: die „Wiedergeburt des Lichts“, wenn die Tage wieder länger werden.
Die zwölf Apostel als TierkreiszeichenJeder Apostel steht für ein Sternbild – vom feurigen Petrus (Widder) bis zum mystischen Johannes (Wassermann).
Wunder als HimmelsereignisseGeschichten wie die „Stillung des Sturms“ oder die „Speisung der 5000“ deutet er als symbolische Beschreibungen von Jahreszeiten, Erntezyklen oder Planetenstellungen.
Judas als SkorpionVerrat und „Kuss“ sind für Taylor poetische Beschreibungen des Moments, wenn die Sonne in den Herbst zieht und die Tage „verraten“ werden – das Licht nimmt ab.
Ein Blick in die Geschichte
Schon vor tausenden Jahren lebten Menschen im Rhythmus des Himmels.
Ägypten: Der Aufgang des Sterns Sirius kündigte die Nilflut an.
Babylonien: Priester beobachteten akribisch Planetenbewegungen, um Omen zu deuten.
Maya: Ihr komplexer Kalender basierte auf Sonnen- und Venuszyklen.
Viele Gottheiten dieser Kulturen haben „astronomische Wurzeln“. Die Sonne wurde als Lebensspender verehrt, der Mond regelte Zeit und Landwirtschaft, und manche Sternbilder dienten als Göttergeschichten am nächtlichen Himmel.
Verbindung zur Freimaurerei
Taylor sah die Freimaurerei als eine Brücke zwischen dieser uralten Sternenweisheit und der modernen Welt.
Die Rituale waren für ihn verschlüsselte astronomische Gleichnisse.
Werkzeuge wie Zirkel und Winkelmaß symbolisierten nicht nur Handwerk, sondern auch die Ordnung des Kosmos.
Die Freimaurer seien Hüter dieser alten Symbolsprache, die Kirche habe sie hingegen verdunkelt.
Besonderheiten des Buches
Satirischer Stil: Taylor würzt seine astrologischen Thesen mit scharfer Ironie gegen kirchliche Autorität.
Detaillierte Symbolentschlüsselung: Kaum ein Werk seiner Zeit legt so konkret dar, welches biblische Bild welchem astronomischen Vorgang entspricht.
Freimaurerische Querverweise: Die Kapitel über die Logensymbole verbinden Sternendeutung, Baukunst und moralische Entwicklung.
Was man daraus mitnehmen kann
Religion neu lesen: Biblische Geschichten lassen sich nicht nur theologisch, sondern auch als Natur- und Himmelskunde verstehen.
Altes Wissen steckt in modernen Ritualen: Freimaurer- und Kirchenrituale teilen eine gemeinsame Symbolsprache, die älter ist als beide Institutionen.
Astrologie als kulturelle Matrix: Im 19. Jahrhundert oft als Aberglaube abgetan, zeigt Taylor, dass astrologische Bilder Jahrtausende lang das Grundgerüst von Mythen und Moral bildeten.
Kritik mit Substanz: Taylor ging es nicht nur ums Bloßstellen religiöser Macht, sondern um das Wiederentdecken einer universellen, himmelsbasierten Symbolik.
Fazit: The Devil’s Pulpit ist mehr als ein Angriff auf Dogmen – es ist ein Plädoyer dafür, den Himmel wieder zu lesen. Für Taylor war jede Bibelstelle ein Stück Sternkarte und jede Kirche ein verschlüsseltes Observatorium. Wer sich darauf einlässt, entdeckt in den Evangelien nicht nur Predigten, sondern auch Sonnenwenden, Tierkreiszeichen und die ewige Rückkehr des Lichts.






